Gegrillt: Meine Meinung zu Spielzeit in Videospielen uvm

Gegrillt

Momentan geht wieder mal ein Aufschrei(chen) durch die Videospiel Branche. Es geht um Spiele mit viel zu kurzer Spielzeit. Für einige beginnen Vollpreisspiele erst ab 40 Stunden aufwärts. Prominentester Fall in Sachen zu kurze Spielzeit ist das eben erschienen „The Order 1886“. Da sind einige Leute schon nach 5 Stunden durch und es wird gejammert. Zum Teil vielleicht in diesem Fall zurecht. Ich kann es nicht beurteilen, da ich das Spiel noch nicht gespielt habe. Aber mir brennt da etwas Generelles unter den Nägeln, was Spielzeit, Spiele und Spielspaß angeht.

Wer mich kennt weiß, dass ich Spiele einzig und allein danach beurteile wie viel Spaß ich mit ihnen habe. Also für mich steht der Spielspaß an erste Stelle. Danach kommt lange nichts. Um so weniger verstehe ich den Schrei nach langen Spielzeiten. Ich finde gerade, und da lehne ich mich mal weit aus dem Fenster, dass eine lange Spielzeit Spielen, vor allem denen die eine gute Geschichte erzählen wollen, eher im Weg steht.

In vielen Spielen komme ich mir nach einer guten Anfangsphase irgendwann so vor als würde ich durch Kaugummi wa(r)ten und das alles nur, damit der Publisher sagen kann: „Schaut her unser Spiel dauert 482 Stunden!“. Dann bekommt man im Spiel selbst alle 14 Stunden einen Fetzen Story geboten, der teilweise komplett unwichtig ist, nur um im Anschluss noch ein bisschen das immer gleichen Gameplay einzubinden. Was nicht schlecht sein muss bei gutem Gameplay.

Allerdings gehören zum Gameplay leider auch immer öfter sinnlose Nebenquests oder Sammelgegenstände die mit dem Spiel nichts zu tun haben. Oder Truhen die man an jeder Ecke finden kann. Ich denk mir immer wieder, grade bei Spielen wie Assassin’s Creed, dass sie doch lieber die überflüssigen Nebenquests und Sammelsachen raus lassen sollten und uns dafür lieber eine Story bieten sollten, die einen interessiert und neugierig aufs Spiel macht. Mich langweilt dieses unnötige sammeln von irgendwas, nur um die Spielzeit zu strecken gewaltig. Und wofür? Damit man am Ende des Spiels eine super Waffe kaufen kann, die ich sowieso nicht mehr nutzen kann, weil das Spiel vorbei ist.

Es gibt auch tolle Nebenmissionen und die gab es auch schon bei Assassin’s Creed. In Assassin’s Creed II/Brotherhood mochte ich zum Beispiel die Passagen mit Leonardo da Vinci total. Es war toll, weil man sehr viel über ihn weiß. Es macht Spaß ihm in der virtuellen Welt beim Arbeiten zusehen zu können. Benötigt er Utensilien um verschiedenste Dinge herstellen zu können beschaffen wir sie ihm. Noch besser gefällt es mir, wenn wir in Leonardos Kriegsmaschinen, die man schon vorher aus Skizzen kannte herumfahren konnte oder sich mit Hilfe von da Vincis berühmten Flügeln durch die Lüfte schwingt. Das waren für mich vielleicht sogar die besten Erlebnisse überhaupt, abseits der eigentlichen Story von Assassin’s Creed. So was sind tolle Tätigkeiten, die ich viel öfter haben möchte, die das Spiel bereichern und es voran treiben. Es gibt also auch gute und interessante Wege die Dauer eines Spiels zu verlängern ohne, dass es absurd oder langweilig wird.

Ich habe nichts gegen Spiele mit einer langen Spieldauer. Im Gegenteil. Aber dann doch bitte weil es einfach zum Spiel gehört. In Skyrim habe ich über 120 Stunden verbracht und kaum Story erlebt. Weil die Welt so dicht war. Das Erforschen hat mich immer wieder neu angetrieben. Es fühlte sich echt und organisch an. Ich möchte nicht im Spiel denken, dass ich grade etwas mache nur damit das Spiel länger dauert. Ich möchte Dinge tun, weil es Spaß macht. Und das tut es häufig nämlich leider nicht. Es MUSS also nicht zwingend kurz sein. Aber gezwungen lang finde ich schlimm.

Ähnlich verhält es sich mit dem Wiederspielwert eines Spiels. Es ist natürlich super, wenn man mit jedem Durchspielen etwas Neues entdecken kann. Aber wieso packt man nicht einfach genug Spannendes in das Spiel und lässt es einen direkt erleben. Macht doch lieber die erste Erfahrung zu einer grandiosen als mehrere Erfahrungen zu einer guten. Für mich verhält es sich mit einem guten Spiel wie mit einem guten Witz. Wirklich funktionieren tut es nur beim ersten Mal.

Was nicht heißt ich würde Spiele nicht auch mehrere Male spielen. Red Dead Redemption zum Beispiel, nehme ich mir ca. einmal im Jahr vor und es verliert nichts von seinem Spielspaß und dabei spielt es sich jedes Mal gleich. Es ist einfach ein grandioses Spiel. Auch hier gibt es Nebenmissionen. Doch sind diese sinnig eingebunden. Man kann mit ihnen seine Fähigkeiten verbessern. Womit wir bei einer weiteren Sache wären die mich an Spielen immer öfter stört. Die Skill-Mechaniken. Oft muss man einfach nur genug Zeit im Spiel mit immer gleichen Aktionen verbringen um dafür Erfahrungspunkte zu bekommen. Bei genug gesammelten Punkten bekommt einen Skill-Punkt und kann diesen dann beliebig verteilen. Warum? Macht es doch so wie im eben erwähneten Red Dead Redemption. Man kann sich verbessern aber eben nur wenn man die Eigenschaften die man verbessern will auch trainiert. Ihr wollt ein besserer Schütze werden, dann müsst ihr eben auf die Jagd gehen oder euch duellieren. Das finde ich persönlich einen viel intensiveren Weg um Nebenbeschäftigungen sinnvoll in ein Spiel einzubinden.

Ich persönlich fände es schöner, wenn Spiele sich wieder mehr auf das Wesentliche beschränken würden. Das Spiel/die Story an sich. Das Ganze gilt jetzt natürlich auch nicht pauschal für alle Spiele. Aber immer öfter empfinde ich es so wie oben beschrieben. Dann lieber eine Story in welche die Nebenquest eingebaut werden und gemacht werden müssen, weil sie zu der Geschichte gehören und einen tiefer in die Materie eintauchen lassen. Ich spiele lieber 15 Stunden eine intensive Spielerfahrung als mich 50 Stunden zu langweilen. Oder besser gesagt: Ich würde jeder Zeit ein kurzes Spiel bevorzugen, wenn es eine intensive, komplette Erfahrung vermittel, als ein Spiel das lange dauert, vielleicht gut sein mag, mich aber die Hälfte der Zeit langweilt.

Ein sehr gutes Beispiel für gute Nebenaufgaben, kurze Spielzeit aber eine großartige Spielerfahrung ist meiner Meinung nach der The Last of Us DLC „Left Behind“ (The Last Of Us: Left Behind DLC – Gamelfleisch Review). Man kann mit Ellie und Riley rumlaufen und das ganze Shopping Center durchsuchen wenn man will, muss es aber nicht. Tut man es allerdings nicht, geht einen einfach ein riesiger Teil der Spiel-Erfahrung und des Spielspaßes flöten. Ich möchte genau so was. Nebenmissionen die im Grunde die Hauptmission tragen, unterstützen und im besten Fall die Charaktere, die Story und die Welt einem näher bringen und ein noch intensiveres Eintauchen zulassen. Es ist mir doch egal ob in irgend einer Stadt noch 98 Kisten rum stehen in denen sich dann ein paar Peseten befinden oder ob irgendjemand noch 4 Kräuter braucht damit er sich einen leckeren Tee machen kann.

Mir wäre es lieber man lässt die ganzen Nebenschauplätze weg die nicht direkt was mit dem Spiel an sich zu tun haben und konzentriert sich auf die Story und abwechslungsreiches, forderndes Gameplay. Für mich zählt bei einem Spiel immer noch der Spielspaß und den messe ich nicht in Stunden sondern in Spaß den ich während der verbrachten Zeit hatte.

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